Ethik als Menschsein bei Watsuji Tetsurô – eine japanische Perspektive
Philosophisches Kolloquium: Ethik, Menschenbild, Würde 2026/27
Dagmar Dotting M.A., B.A. / Prag / Wien
Ethik als Menschsein bei Watsuji Tetsurô – eine japanische Perspektive
Der Beitrag bezieht sich auf die 1935 publizierte kleine Schrift von Watsuji Tetsurô „Maske und Persona“.
Die Auseinandersetzung mit der Maske und dem Begriff der Persona ist im Zusammenhang mit Watsujis Beschäftigung mit dem „Zwischen“ (aida) und seiner 1934 erschienenen Hauptschrift zur Ethik zu verstehen.
Bereits darin weist er ausdrücklich auf die Rolle des Zwischenseins (aidagara) für die Wir- und Ichbildung und damit für das Menschsein in der japanischen Denkweise hin.
In „Maske und Persona“ geht er einen Schritt weiter und beschäftigt sich mit dem Begriff der Persona aus japanischer Sicht, wobei bereits sein Klimadenken einfließt.
Der Vortrag untersucht die Unterschiede zwischen der abendländischen Vorstellung von Persona und Watsujis Kritik daran. Daraus ergibt sich letztlich auch ein anderes Verständnis des Todes.
Der westliche bioethische Konsens geht bei der Definition des Todes seit den 1980er-Jahren von der Vorstellung des Hirntodes aus. Ist dieser personalisierte Hirntod aber tatsächlich das Ende des Menschseins und seines Bewusstseins?
Bei der globalen Übertragung dieses Konzepts auf andere Kulturen zeigen sich erhebliche Widersprüche.
Über die Referentin
Dagmar Dotting ist eine deutsche Philosophin, die intellektuelle, ästhetische und künstlerische Praxis in ihrer Lebenswelt miteinander verbindet.
Nach 20-jähriger Berufspraxis als Tischlermeisterin und Gestalterin für Raumkonzepte studierte sie ab 2007 auf dem zweiten Bildungsweg Freie Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Norbert Radermacher (Kunst im Kontext), was sie mit Auszeichnung abschloss.
Parallel studierte sie Philosophie und Kunstwissenschaft an der Universität Kassel. Es folgte ein Promotionsstudium im Fach Philosophie an den Universitäten Prag und Wien bei Hans Rainer Sepp und Georg Stenger.
Sie ist Beirätin der Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie (GIP) und Mitglied des European Network of Japanese Philosophy (ENOJP).
2012 organisierte und moderierte sie das Symposium „Interkulturelle Ästhetik“ an der Kunsthochschule Kassel. 2019 absolvierte sie eine Residency am Nanzan-Institut in Nagoya/Japan und hielt weitere internationale Vorträge im Nahen Osten.
2018 war sie Mitgründerin der Akademie für west-östlichen Dialog der Kulturen e. V., deren geschäftsführende erste Vorsitzende sie heute ist. Seit 2020 verwaltet sie zudem das Seiffert-Archiv (Nachlass von Prof. Dr. Johannes Ernst Seiffert und Roswitha Seiffert).
Ihre Schwerpunkte liegen in der Phänomenologie, interkulturellen Philosophie, japanischen Philosophie und ostasiatischen Ästhetik. Ergänzt werden diese durch eine lebensweltlich orientierte Philosophie, die das Erleben im „Zwischenraum“ von Phänomenen und deren atmosphärisch-integrative Ausdrucksformen untersucht.
Zu ihrer lebensweltlichen Philosophie gehört auch der 2021 von ihr selbst angelegte japanische Garten in Habichtswald, der zwischen europäischer und japanischer Gartenkunst vermittelt.
Dieser Garten ist integraler Bestandteil des von ihr als Gesamtkunstwerk entwickelten Hauswerks DENKraum.
Hier übersetzt sie theoretisches Denken unmittelbar in einen sinnlich-räumlichen und erfahrbaren Kontext und macht Philosophie als lebendige Kulturpraxis und Erfahrungswissen begreifbar.
Informationen zur Veranstaltung
Datum: Mittwoch, 10. Februar 2027
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: Kloster Heidenheim
Eintritt: Frei – um Spenden wird gebeten
Anmeldung: Nicht erforderlich
Leitung: Akademie für west-östlichen Dialog der Kulturen e. V.
Partner: Diözesanbildungswerk Eichstätt
Weitere Informationen zum Veranstaltungsort: https://kloster-heidenheim.eu/klosterheidenheim.html
